Was hat Gold, das Silber nicht hat? Ich meine, warum gibt es alles in Gold, mit Gold und passend zu Gold, aber nicht genauso in Silber?
Wenn ich durch die Läden gehe und mich umschaue, dann ist besonders im Sommer deutlich zu sehen, dass jedes Teil im Laden goldene Details hat oder sogar ganz in Gold ist. Dieser Goldwahn geht auch weit über Schmuck hinaus – Klamotten voll mit goldenen Pailletten und Perlen, Gürtel findet man fast ausschließlich mit goldener Schnalle, genau wie bei Sommerschuhen. Alles für vermeintlichen Sonnenschein und einen warmen Teint.
Besonders auffällig ist das für mich, weil ich nur silbernen Schmuck trage und dementsprechend auch versuche, meine Outfits darauf abzustimmen. Mein Hautton ist blass und meine Haarfarbe ist ein mattes, aschiges Blond-Braun-Gemisch. Ganz klar also, dass Silber besser zu mir passt.
Schaue ich mich aber weiter um, stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, die Silber tragen sollte. So vielen Menschen, die Gold tragen, würde das kühle Metall viel besser stehen. Aber das Angebot ist begrenzt und ich kann jeden verstehen, der da einfach aus Bequemlichkeit zum glänzenden Gegenspieler greift.
Gesellschaftlich sollten wir mittlerweile an einem Punkt sein, an dem Luxus nicht über den Goldgehalt des Outfits definiert wird. Doch diese verfluchte Farbe ist historisch so tief in unserem Gehirn mit „Reichtum“ verknüpft, dass Modemarken diesen psychologischen Trick ganz einfach für sich anwenden können. Lukrativer ist es allemal, hochwertig aussehenden Goldschmuck zu produzieren, denn während billiges Silber ungefähr so gut aussieht wie Plastik-Lametta oder Sanitärarmaturen, strahlt eine dünne Goldwaschung auf billigem Metall wie die im Meer glitzernde Sonne.
Zeiten wie die 1990er- und frühen 2000er-Jahre zeigen, dass Silber durchaus das Potenzial hat, Gold zu verdrängen, aber diese kühle, rebellische und gleichzeitig cleane, unaufdringliche Ästhetik verschwand spätestens mit Roségold und dem Instagram „Sunkissed“-Look in den 2010er-Jahren.
Aktuell erlebt Silber auf den Laufstegen zwar ein Comeback hin zu architektonischen Statement-Pieces, die sehr kühl und edgy wirken, aber Gold hat seine Vormachtstellung noch nicht verloren. Gerade bei den traditionellen Luxushäusern dominieren immer noch die Goldpieces, die nicht mit Silber, sondern mit bunten Edelsteinen kombiniert werden.
Hoffnung gibt mir zumindest, dass es wieder akzeptiert wird, Gold und Silber Bicolor zu tragen, denn sonst würde ich diesen Sommer die unbequemeren Pantoletten kaufen, nur weil sie die einzigen ohne Goldschnalle sind. Doch denkt bloß nicht, dass ich mein Silber für goldenen Modeschmuck aufgeben werde. Irgendwo hört der Trend für mich auf.