Kaffee trinken ist wie Gassi gehen. Ein Vergleich, der sich innerhalb der letzten Wochen immer wieder in meinen Kopf gesetzt hat. Denn obwohl ich erst seit zwei Wochen studiere, bin ich schon tiefer im Kaffee-Game, als in meinen Modulen, nicht zuletzt, weil auch meine Profs die Liebe zum Kaffee teilen.
Aus soziologischer Perspektive betrachtet, ist es mehr als nur das Verlangen nach Koffein oder dem einmaligen Geschmack. Kaffee trinken, Kaffee holen, Kaffeepausen: Ein Gemeinschaftsgefühl, das unterbewusst Zugehörigkeit vermittelt. Kaffee ist wie eine Aktivität, die jeder nach seinem eigenen Bedarf ausführt, aber trotzdem im Team stattfinden kann.
Es entsteht also nahezu dasselbe Gefühl wie beim Gassi gehen. Man trifft andere Hundebesitzer und tauscht sich mit ihnen aus. Jedoch hat jeder seinen eigenen Hund dabei und kann sich frei entscheiden, die Situation zu verlassen oder zu verändern.
Ich kann selbst bestimmen, ob ich eine kleine oder große Runde mit meinem Dackel gehe und ob ich einen kleinen oder großen Cappuccino trinke. Bin ich heute in der Stimmung für einen netten Plausch in der Kaffeepause oder habe ich beim Gassi gehen keine Lust auf die Französische Bulldogge von der Ecke und gehe deshalb lieber einen Umweg?
Dieses Gefühl, etwas gemeinsam zu haben und gleichzeitig einen Moment zu erleben, sich dabei auszutauschen und Zugehörigkeit zu spüren, ist die perfekte Mischung und stellt ein so zwangloses gesellschaftliches Ereignis dar, dass es schon fast Stil hat, Kaffee zu trinken oder Gassi zu gehen.
Nun will ich niemanden in die Abhängigkeit zu Koffein oder Dackeln stürzen, denn ich glaube, jeder Mensch hat sein eigenes „Kaffee trinken, Gassi gehen“ Erlebnis.
Kleine Rituale die verbinden, weil sie die gleichen Bedürfnisse stillen und Zufriedenheit schaffen.
Denn die kleinen Dinge am Tag, die wir viel zu selbstverständlich leben, sind am Ende das, was das Leben gesellig und glücklich macht.
Und so ist es dann vielleicht nur das Kaffeetrinken mit meinen Kommilitoninnen oder das Lachen im Raum, wenn mein Prof sagt, dass Kaffee ab jetzt auch ein fester Bestandteil des Journalismusstudiums ist. Aber genau das ist es, was ich jetzt schon daran liebe, zu studieren und was das Konto des Bistros mit meinem verbindet: Die Liebe zum Kaffee